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aktualisiert 10.05.2011

Forst-Sachverständigenbüro Rittershofer

 

Birke
(Betula pendula, Betula pubescens)

Veröffentlicht von mir in der AFZ-Der Wald 24/2000

Die Birken, eine Baumgattung mit verborgenen Ressourcen

Die Birken sind Baumarten, die seit mehreren hundert Jahren von der deutschen Forstwirtschaft bekämpft wurden. Um weitere Informationen über die Eigenschaften der Sand- und der Moorbirke, ihren Ansprüchen sowie die Eigenschaften und Weiterverarbeitung des Holzes zu erhalten, lud die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zu einer Fachtagung über die Birken nach Konnersreuth in der Oberpfalz ein. Die hohe Teilnehmerzahl zeigte das große Interesse der Forstleute und Ökologen an dieser immer noch zu wenig beachteten Baumart.

Systematik und Hybridisierung

Nach Dr. Gregor Aas (Ökol.-Bot. Garten der Univ. Bayreuth) ist die Gattung Betula, mit etwa 40 - 50 Baum- und Straucharten auf der nördlichen Hemisphäre, v.a. in der gemäßigten und der arktischen Zone vertreten. Gemeinsame Merkmale der Gattung sind die Blüten und Früchte.

In Mitteleuropa kommen vorwiegend zwei baumförmige Birken vor: Betula pendula (Sand-, Hänge- oder Warzenbirke) und Betula pubescens (Moor- oder Haarbirke) mit den Unterarten pubescens, carpatica und tortuosa. Auf Mooren vorkommenden strauchförmigen Reliktarten der Eiszeit: Betula humilis (Strauchbirke) und Betula nana (Zwergbirke).

Die Moor- und Sandbirken, die fast über ganz Europa bis Sibirien und weit nach Asien verbreitet sind, haben sich jeweils speziellen Standortsverhältnissen angepasst. Während das Verbreitungsgebiet der Sandbirke weiter nach Süden bis in den Mittelmeerraum reicht, findet man die Moorbirke deutlich weiter im Norden und Osten. Sie bilden die subarktische Waldgrenze nördlich der borealen Nadelwälder (Taiga). Im Alpenraum reicht ihr Vorkommen bis über 2.000 m NN.

In der gemäßigten Zone der nördlichen Hemisphäre sind die baum- und strauchförmigen Birkenarten im Klimaxwald, außerhalb trockener und nasser Sonderstandorte, wenig oder gar nicht konkurrenzfähig. Je weiter man nach Norden kommt, desto häufiger werden die Birken waldbildend und vegetationsbestimmend.

Am Aufbau der Birkenrinde sind keine Tiefenperiderme beteiligt. Sie haben einen weißen, glatten, sogenannten Ringelkork mit quer stehenden, schwarzen Lentizellen. Eine echte Borke entsteht erst spät am Stammfuß. Die Rinde hat lebenslang aktives Oberflächenperiderm mit geschichteten Korklamellen. Bedingt

Moorbirk und Stamm

Moor-Birkenwald im Oberpfälzer Wald bei Konnersreuth

durch das Dickenwachstum ringelt sie sich waagrecht blatt- oder streifenförmig ab. Ihre weiße Farbe ist auf das eingelagerte Triterpenderivat Betulin zurückzuführen, das antiseptisch wirkt.

Die Birke ist eine typische Pionierbaumart mit schraubiger Blatt- und Zweigstellung und sylleptischer Verzweigung, zur bestmöglichen Ausnutzung des Lichts. Sie ist kurzlebig und hat ein rasches Jugendwachstum das früh kulminiert. Ihre Standortamplitude und ihr Lichtbedarf sind groß. Sie kann bereits im Alter von 5 Jahren mit der Fruktifikation beginnen und produziert dann regelmäßige große Mengen an Samen, die durch den Wind verbreitet werden.

Die Birken sind einhäusig, d.h. männliche und weibliche Blütenkätzchen, die im Herbst angelegt werden, finden sich auf einem Baum. Die weiblichen Blüten überwintern in einer Knospe an Kurztrieben. Sie entwickeln sich im Frühjahr in den Achseln der Tragblätter zu einer gestielten, anfangs aufrechten Blüte. Die männlichen Blüten, in denen jeweils rund 5 Mio. Pollenkörner produziert werden, überwintern in Form ungestielter, sitzender Kätzchen. Sie verlängern sich im Frühjahr mit dem Laubaustrieb auf 6 - 8 cm und hängen von den Zweigen herab. Der Übergang zu zwittrigen Blüten ist fließend. Die Blüten werden durch Wind bestäubt, wobei der Pollen bis zu 2.000 km weit fliegen kann.

Die Blütezeit liegt zeitlich vor der vollständigen Entfaltung der Blätter. Die weiblichen Blüten, sind, einen Tag bevor Pollen des selben Baumes verstaubt werden, empfänglich. Die Samenentlassung der rund 3 mm großen, einsamigen, endospermlosen Flügelnüsschen beginnt im Juli und August mit Höhepunkt im September und Oktober. Ein Teil der Samen bleibt bis zum Frühjahr am Baum. Die Samenentwicklung der Sandbirke ist etwa 2 Wochen früher als bei Moorbirke abgeschlossen. Die Keimung der Samen erfolgt im März und April.

Im Jahrzehnt rechnet man mit 3 Voll- und 3 Halbmasten. Eine Altbirke produziert dabei bis zu 10 Mio. Samen (pro Fruchtstand bis 450 Samen) bzw. bis zu 4 kg Saatgut, mit einem rasch abnehmenden Keimprozent von 20 - 30%. Die Samen sind maximal drei Jahre keimfähig. Durch diese intensive Samenproduktion verschaffen sich Birken einen erheblichen Konkurrenzvorteil bei der Besiedelung von Freiflächen.

In dem großen Verbreitungsgebiet der Moor- und der Sandbirke sind verschiedene Klimarassen nachweisbar. Sie weisen dadurch eine große morphologische Merkmalsvariation auf, die es zum Teil schwer macht, diese beiden Baumarten auseinander zu halten. Es kann aber weitgehend ausgeschlossen werden, dass es sich hierbei um Bastarde handelt. Unsere heimischen Birken, die diploide B. pendula und die tetraploide B. pubescens, lassen sich zwar experimentell gut mit nordamerikanischen oder asiatischen Birken kreuzen, aber offenbar haben diese in Europa sympatrisch (mit überschneidenden Arealen) verbreiteten Birkenarten im Zuge ihrer Evolution erfolgreich Reproduktionsbarrieren aufgebaut, nicht aber gegenüber verwandten allopatrischen Arten (Populationen mit sich ausschließenden Arealen).

Daneben haben Sand- und Moorbirke unterschiedliche Verbreitungsstandorte und unterschiedliche Blütezeitpunkte. Natürliche Bastarde sind daher nur in Übergangsbereichen beider Arten zu erwarten. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass diese genetisch weitgehend isoliert und auch experimentell nur schwer kreuzbar sind. Die hierbei entstehenden Nachkommen sind aufgrund des unterschiedlichen Chromosomensatzes steril. Da die Ausprägung der Artmerkmale bei beiden Arten oftmals fließend ist, wird eine introgressive Hybridisierung angenommen.

Trotz der großen Merkmalsvariation lassen sich die Birken relativ sicher anhand folgender Merkmale auseinander halten: Moorbirken haben mehr oder weniger stark behaarte Zweige, die später verkahlen können. Die Blätter sind behaart, ei- bis rauten- z.T. auch fast herzförmig mit abgerundeten Ecken. Die Samenflügel sind kaum breiter als der Samen. Die Sandbirke hingegen hat eher dreieckige bis rautenförmige, kahle Blätter und Zweige. Die Zweige sind sandig-rauh Harzdrüsen. Die Samenflügel sind 2 - 3 Mal breiter als der Samen.

Reproduktion und Genetik

Nach Randolf Schirmer (Bay. Landesanstalt für Forstl. Saat- und Pflanzenzucht, Teisendorf) wurde in Deutschland, die Qualität der Birken durch jahrhundertelangen Aushieb als “forstliches Unkraut” negativ beeinflußt. Dagegen zeigen Birken in Skandinavien in überwiegend autochthoner Populationen, wesentlich bessere Qualitäten und eine große Anzahl von Auslesebäumen. Die Birke hat sich dort hervorragend an die langen Tage angepaßt und nutzt diese voll für die Assimilation aus. Dadurch können große Dimensionen erreicht werden, die im Zusammenspiel von Boden und Wärmesumme kaum zu erzielen wären.

Vergleich der Samenkorngewichte verschiedener Baumarten

Baumart

1000-Korn-G ewicht

Buche

220 g

Bergahorn

95 g

Winterlinde

40 g

Roterle

1,3 g

Moorbirke

0,3 g

Sandbirke

0,15 g

Weide

0,1 g

Birken vermehren sich in Mitteleuropa fast ausschließlich generativ. Die Moorbirke hat nur eine geringe Fähigkeit zum Stockausschlag,, die mit zunehmendem Alter nachläßt. Im Frühjahr erfolgt die Keimung bei günstigem Licht rasch. Die noch im Jahr Herbst aufwachsenden Sämlinge sind nicht frosthart. Das Saatgut dagegen ist sehr widerstandsfähig gegen Kälte und Trockenheit. Seine Lagerung setzt die Ernte vor der Vollreife (Juli) voraus. Bei einem Wassergehalt von 4% sind Birkensamen bei -4 bis -10° C ca. 3 Jahre lagerfähig, unter natürlichen Bedingungen maximal 2 Jahre.

Birkensamen keimen erst, wenn die Außentemperaturen 4 Wochen lang über +1° C liegen, wobei die Keimung 2 - 4 Wochen dauert. Der Keimling ist auf Mineral- oder Torfböden angewiesen. Humusauflagen vermindern hierbei den Anwuchserfolg deutlich. Es werden sofort Primär- und Folgeblätter ausgebildet. Im ersten Jahr kann der Sämling eine Höhe von 30 cm erreichen; Ende des 2. Jahres kann er bis 2 m und im 4. Jahr bis 4 m hoch werden.

Ausgeprägte Trockenperioden werden aufgrund der Dürrefestigkeit, insbesondere von Sandbirken, gut vertragen. Sie müssen aber von Jugend an trockene Standortverhältnisse gewöhnt sein. Eine plötzliche Verschlechterungen des Wasserhaushalts führt zum Absterben der Bäume. Bei lang anhaltender Dürre kommt es zu vorzeitiger Gelbfärbung und Laubfall, zur Reduzierung der Verdunstungsfläche. Durch Drucktellerbildung und dicht unter der Bodenoberfläche verlaufenden Wurzeln halten die Sandbirken viel Wasser fest. Der dadurch entstehende Wassermangel beeinträchtigt das Wachstum konkurrierender Pflanzen. Die Moorbirke ist durch dichte Behaarung der Blätter und ein Harzdrüsensekret von Verdunstungsverlusten geschützt.

Gegen Winterfröste sind Birken - insbesondere Moorbirken - weitgehend unempfindlich: Bei Kälte werden die im Bereich der weißen Spiegelrinde auftretenden, schwarzen Lüftungsrisse ("Korkwarzen") verschlossen. Dadurch wird die Frosthärte erhöht. Bei Temperaturen unter -40° C wird Stärke in den Zweigen in Öl umgewandelt, wobei Wärme freigesetzt wird. Ihre Blätter erfrieren erst ab -6° C. Die durch den Rindeninhaltsstoff Betulin weiß gefärbte Rinde schützt den Baum nicht nur gegen Fraßschäden, sondern bietet auch durch Reflexion der Sonneneinstrahlung einen optimalen Schutz vor Rindenbrand.

Birken meiden Tonböden und sind gefährdet durch Naßschnee. Sie gelten als windfest, haben eine relativ hohe Widerstandskraft gegen Immissionen und können selbst auf Standorten mit geringer Bodenauflage (z. B. Mauerspalten) überleben. Selbst auf nicht zu dichten Calamagrostis epigeios-Flächen setzen sie sich durch. Bei fortschreitender Sukzession können sich Birken auch noch in Beständen mit Lichtbaumarten behaupten. Nur in Skandinavien und den Tundren Nordeuropas sowie auf trockenen oder nassen Sonderstandorten bilden sie natürliche Klimaxgesellschaften. Die Überlebenskunst der Birke endet nur bei mangelndem Licht und zu niedriger Luftfeuchtigkeit in trocken - warmen Klimagebieten.

Standortansprüche und Wurzelwerk der Birke

Nach Forstdirektor Hans-Jürgen Gulder (Bay. Landesanst. für Wald und Forstwirtschaft) besitzt die Birke als Kalipumpe eine bodenverbessernde Wirkung. Sie hat ein markantes Herzwurzelwerk mit geringer Wurzelmasse. Die Hauptwurzeln sind kurz und verjüngen sich sehr schnell. Diese verzweigen sich stark und gehen dann über in fadendünne Feinwurzeln mit Büscheln an den Enden. Im Alter werden die Hauptwurzeln oft brettartig.

Die Wurzel reagiert stark auf Wasser und Nährstoffe. Bei Bodenverdichtung, Basenarmut und im Alter bildet die Wurzel Senker aus. Der Hauptwurzelhorizont der Birke liegt auf stabilen Standorten in 50-60 cm bzw. bei dichten Böden in 40 cm Tiefe wobei Wurzeln bis in eine Tiefe von 120 cm (extrem bis 4 m) zu finden sind. Horizontal streicht die Wurzel 3 - 4 m im Extremfall bis 7 m weit vom Stamm, mit intensiv durchwurzelten Zwischenfeldern. Bei Basensättigung ist die Wurzelentwicklung geringer.

Waldgeschichte der Birke

Nach Prof. Dr. Hansjörg Küster (Inst. f. Geobotanik, Univ. Hannover) leiteten die Birken vor 12.000 Jahren, mit dem Rückzug des Eises, vom ostasiatischen Raum (China, Mandschurei, Korea) her, die Wiederbewaldung Mitteleuropas ein. Mit zunehmender Erwärmung besiedelten sie die Tundren und Steppen und wurden später, von anderen konkurrenzkräftigeren Waldbaumarten auf nährstoffarme, saure bzw. trockene Standorte verdrängt.

In den Norddeutschen und Skandinavischen Raum dringt die Birke vor rund 10.000 Jahren vor. Vom Nordharz bis Ostpreußen bildete sich die “Birkengrenze” aus, die auch heute noch als Vegetationsgrenze erkennbar ist. Aus diesen von der Birke dominierten Wälder entstehen nach der Hasel- und Eichenzeit vorwiegend Buchen- und Buchenmischwälder. Im osteuropäischen Raum entwickeln sich hingegen Kiefern- und Eichen-Kiefern-Wälder. Die Birke wurde dort auf trockene und nasse Sonderstandort zurückgedrängt bzw. auf Kalamitätsflächen in den feuergefährdeten Kiefernwäldern als vor und Zwischenwald. Nur in den Borealen Nadelwäldern ist sie mit Kiefer, Fichte und Vogelbeere, bei sehr unterschiedlichen Baumartenanteilen, konkurrenzfähig.

Die Birke breitet sich mit Beginn der menschlichen Eingriffe in die Natur, als “Kulturfolger” wieder stark aus. Zur Verbreitung der Birke hat auch beigetragen, dass sie vor mehr als 200 Jahren als beliebter Alleebaum entlang von Straßen gepflanzt wurde. Zum einen sollte sie die Fuhrwerke davon abhalten die Straße zu verlassen und zum anderen diente sie der Trockenlegung (Wasserpumpe) der Wege.

Nach Forstdirektor a.D. Dr. Georg Sperber spielte die Birke zu Beginn der klassischen Forstwirtschaft im 18. Jahrhundert eine große Rolle. Vor allem in Fichten- und Kiefernaufforstungen war die Birke eine sehr willkommene Laubholzbeimischung. Selbst PFEIL, anfangs ein großer Gegner der Birke, forderte später, aus ökologischen Gründen, die Beteiligung der Birke in den Kiefernwäldern. Durch die Birke, die die Kiefer erzieht, erhält man nicht nur eine Bodenverbesserung, sondern auch einen deutlich früheren Nutzholzanfall und zusätzlich das Brennholz Birke.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen erste Forderungen auf, die Birke nur noch einzeln in Beständen zu beteiligen, da sie angeblich den Boden verschlechtert. Erste Bezeichnungen der Birke als “Unholz” kamen auf. Im Mittelwald waren einzelne Birken zu dieser Zeit aber willkommen. Als Unterholz war sie aber aufgrund ihrer geringen Stockausschlagsfähigkeit nicht geeignet. KÖSTLER (1949) wiederum betrachtet die Birke sehr differenziert. Nach seiner Meinung hat die Birke als Pionierbaumart und vorzügliche Mischbaumart eine große Zukunft.

Die Birke im Waldbau

Nach FOR Michael Mößnang (Bay. Landesanst. f. Wald und Forstwirtschaft) ist die Birke in den nordischen Ländern, mit bis zu 30% am Waldaufbau beteiligt. Dort ist sie eine bestandsbildende Baumart, die mit Fichte, Kiefer und Aspe vergesellschaftet ist und Schlußbaumart ist. In Mitteleuropa ist die Sandbirke eine Mischbaumart, die lediglich in einer frühen Phase der Wiederbewaldung vor allem auf Kalamitätsflächen bestandsbildend vorkommt.

Moor-Bikenwald

Moor-Birkenwald im Oberpfälzer Wald bei Konnersreuth

Die Sandbirke ist flächig, häufig in geringer Zahl, auf allen Standorten vertreten. Auf wechselfeuchten und schwach wechselfeuchten, labilen Standorten ist sie häufiger zu finden, weil dort, bei nicht standortsgemäßer Bestockung, Kalamitäten der Birke immer wieder Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Der Rückgang des Birkenanteils mit zunehmendem Alter ist auf den wachsenden Konkurrenzdruck durch andere Baumarten zurückzuführen. Sie erreicht mit etwa 120 Jahren ihr Lebensende. Im Bestandesalter zwischen 40 und 60 Jahren beginnen die Fichte und zwischen 60 und 80 Jahren die Eiche und die Buche die Mittelhöhe der Birke erreichen und im weiteren Bestandesleben diese zu überwachsen. Will man die Birke als vitale Mischbaumart im Bestand erhalten, muss man sie durch geeignete Pflegemaßnahmen (Kronenpflege) fördern.

Bedingt durch die geringen Dimensionen liegt der Stammholzanteil der Birke bislang lediglich bei etwa 25 - 35% (Fichte 65%, Buche 55%, Eiche 70%). Die Birke kann Brusthöhendurchmesser über 50 cm selbst bei der bisherigen Wirtschaftsweise, ohne jede Pflege erreichen. Während die Höhenentwicklung durch Pflegemaßnahmen kaum beeinflußt werden kann, läßt sich durch gezielte Förderung ihr Durchmesserwachstum steigern. Durch Erziehung starker, qualitativ guter Dimensionen, läßt sich der Stammholzanteil deutlich erhöhen, auch um höhere Erträge zu erzielen.

Nach Dr. Stefan Nüßlein (Bay. Landesanst. f. Wald und Forstwirtschaft) müssen bei der Einbindung der Birken in die Waldwirtschaft und ihrer waldbaulichen Behandlung, ihren besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten Rechnung getragen werden.

Die Rolle der Birke im Waldbau wird an erster Stelle die des Pioniers auf Kalamitätsflächen bleiben, auf denen sie sich natürlich ansamt. Hierbei kann ihr Pioniercharakter genutzt werden, um empfindlichere Zielbestockung als Vorwald vor Frostschäden, Vergrasung der Flächen und vor hohen Mäuseschäden zu schützen.

Die Birken führen, bei entsprechender Pflege, zu einem mäßigen Seitendruck auf die Hauptbaumarten und dadurch zu einem besseren Höhenwachstum sowie einer besseren Stammqualität. Hinsichtlich der positiven Wirkungen des Birkenvorwaldes unerheblich, ob dieser gleichmäßig oder trupp- bzw. streifenweise aufgelockert wird. Auf wechselfeuchten Standorten wirkt die Birke zudem als Wasserpumpe.

Als Zeitmischung, in bemessener Zahl und auf Fehlstellen, kann die gute Birke in wertvolle Dimensionen einwachsen. Aufgrund der frühen Kulmination des Höhenwachstums, muss nach Erreichen einer astfreien Schaftlänge von rund 6 m mit dem Kronenausbau begonnen werden. Nur so können die angestrebten Zieldurchmesser von über 50 cm im Alter von 60 bis 70 Jahren erreicht werden. Der Jahrringaufbau ist hierbei für die Holzverwendung ohne Bedeutung. Die Anzahl der Birken sollte i.d.R. auf 20 (-30) je ha begrenzt bleiben, damit später keine bleibenden Lücken entstehen.

Die waldbauliche Behandlung der Birke ist immer noch bestimmt von der Furcht vor verdämmendem Birkenvorwald. Beispiele in Südostschweden zeigen, dass auf Kahlschlagflächen unter geschlossenem, dichtem ca. 4 m hohem Birkenvorwald, alle erwünschten Baumarten wie Buche, Eiche, Ahorn, Kiefer und Fichte sich in ausreichender Zahl  natürlich verjüngen. Ab einer Bestandshöhe von 10 - 15 m haben die Hauptbaumarten, auch ohne Pflegeeingriffe, feinastig und wipfelschäftig die Höhe der Birke erreicht und beginnen sie zu verdrängen. Die Birke bleibt auf Lücken und Fehlstellen in ausreichender Zahl erhalten.*)

Birken in einheimischen Pflanzengesellschaften

Nach Dr. Helge Walentowski (Bay. Landesanst. f. Wald und Forstwirtschaft) zeigen die beiden heimischen baumwüchsigen Birken unterschiedliche Präferenzen: Die Moorbirke hat ihren Schwerpunkt in Birken-Ebereschen-Blockwäldern (Betula-pubescens-Sorbus-aucuparia-Gesellschaft), Birken-/Kiefern-/Spirkenbrüchern (Piceo-Vaccinienion uliginosi) und in Weidensümpfen (Salicion cinereae).

Dagegen ist die Sandbirke (Betula pendula), v.a. in Vorwaldgebüschen (Sambuco-Salicion capreae), in Kiefern- und Eichen-Birkenwäldern (Leucobryo-Pinetum und Quercion robori-petraeae) sowie in Besenginster- und Faulbaum-Gebüschen (Calluno-Sarothamnetum, Frangulo-Rubetum plicati) verbreitet. Meist erreichen die Birken als Pionierbaumarten nur in bestimmten Waldentwicklungsphasen höhere Anteile, als “natürliche Zeitbeimischung”. Sie sind nur im Ausnahmefall bestandsbildend.

Die baumwüchsigen Birkenarten wachsen in verschiedensten Pflanzengesellschaften. Als lichtbedürftige Rohbodenkeimer und kurzlebige Pionierbaumarten werden sie im natürlichen Waldkleid weitgehend auf ökologische Randbereiche des Waldes verdrängt. Ihr ökologisches Optimum weicht vom physiologischen stark ab. Um sie in heimischen Waldgesellschaften in Nähe ihres Potenzoptimums halten zu können, sind die Birken auf permanente Nutzungseingriffe angewiesen.

Pilze an Birken

Zunderschwamm an Bike

Zu einem der häufigsten Pilzschädlingen an Birke gehört der Weißfäule verursachende Zunderschwamm (Fomes fomentarius)

Nach Dr. Wolfgang Helfer ist die Birke die Grundlage für eine enorme Pilzvielfalt in unserer Landschaft, wie sie nur wenige Baumarten zu bieten haben. Sie ist ein obligater Mykorrhizaträger, der seine Wasser- und Nährstoffversorgung weitgehend an die Mykorrhizapilze vergeben hat. Sie steht daher mit vielen Pilzen in einer besonderen Beziehung.

Die Birke hat sehr viele, nur auf sie spezialisierte Mykorrhizapilze, wie den Geschmückten Gürtelfuß oder den Kokosflocken-Milchling. Daneben gibt es Pilze mit Vorlieben für diese Baumart, wie der Fliegenpilz und der Flatter-Reizger. Bei der natürlichen Astreinigung hilft Trimatostroma betulinum, der dünne abgestorbene Äste zersetzt. Zum Tod des Baumes führt der sehr aggressive Birken-Porling. Er verursacht, vor allem an Birken mit vermindertem Lichtgenuß eine rasant fortschreitende Braunfäule. Zu einem der häufigsten Pilzschädlingen an Birke, vor allem in Nordeuropa, gehört auch Weißfäule verursachende Zunderschwamm (Fomes fomentarius).

Tierwelt an Birken

Nach Dr. Franz Leibl (Reg. v. Niederbayern) sind die Funktionen der Birke und des Birkenwaldes für die Fauna als Lebensraum vielfältig. Mehrere 100 Insektenarten wurden an Birken nachgewiesen, wobei die meisten Arten nur fakultativ anzutreffen sind. Für einige Arten ist die Birke ausschließlicher Lebensraum. Weiterhin liefert sie den Tieren Nahrung und Baumaterial.

Die Birken dienen dem Polarbirkenzeisig, der nur in der Birkentundra brütet, ebenso als Lebensraum wie der Waldbirkenmaus in Nordeuropa und in tieferen kühlen Tallagen im inneren Bayerischen Wald und den Alpen. Der Bergfink ist in seinen nordischen Brutgebieten fast ausschließlich in Birkenwäldern anzutreffen. Der Fitis-Laubsänger zieht, aus Südafrika kommend, mit der ergrünenden Birke in die subpolaren Regionen. Die Knospen und die proteinhaltigen Pollen sind, vor allem für Birk- und Haselhühner sowie den Birkenzeisig, deren Vorkommen an die Birke gekoppelt ist, eine wichtige Nahrungsquelle für die Aufzucht ihrer Brut. In Mastjahren kann der Birkenanteil an der Nahrung bis zu 96 Prozent betragen.

Auch der kohlehydratreiche Birkensaft bildet eine wichtige Nahrungsquelle für die Tierwelt. So lebt die Weißbirkenblattlaus (Aphis betulae) überwiegend an Blättern und Zweigen, die Birkenschildlaus (Coccus betulae) dagegen an Zweigen und Ästen. Die läusefressende Stachelwanze (Elasmucha grisea) legt ihre Eier an die Blattunterseite der Birken, wo das adulte Tier das Gelege bewacht. Auch Spechte wissen das Birkenwasser zu schätzen. Sie gelangen an den Saft in dem sie den Baum “ringeln”.

Rinde und Holz dienen außerdem verschiedenen Insekten als Lebensräume, wie z.B. dem rindenbrütigen Großen Birkensplintkäfer (Scolytus destructor ratzeburgi).

Von 970 untersuchten Großschmetterlingsarten leben in Bayern an:

 

Anzahl

%

Laubbäumen und Sträuchern

340

35

Nadelbäumen

36

3

Krautigen Pflanzen

585

60

Pilzen, Flechten, Algen

29

3

Eiche

170

19

Birke

118

12

davon monophag an Birke

12

1

Salweide

37

4

Sonstige Weiden

132

14

Pappeln

87

9

Schmetterlingsvielfalt an Birken

Laut Hermann Hacker (Forstdienstst. Staffelstein), leben von 970 untersuchten Großschmetterlingsarten 118 Arten von der Birke, davon 12 monophag.

Da die Birke die Eiszeit in Ostasien überdauert hat, stammt aus diesem Raum auch die an diese Baumart angepaßte Insektenwelt. Das bedeutet aber auch, je weiter man nach Osten kommt, desto vielfältiger wird die Insektenwelt an der Birke.

Es sind vor allem viele früh fliegende Schmetterlingsarten, wie der monophage Birkenspinner (Endromis versicolora), der ab Mitte Februar fliegt und spät fliegende Arten, wie die Pappelglucke (Poccilocampa populi), die bis in den Dezember hinein fliegt, die an der Birke leben.

Darüber hinaus findet man holzzerstörende Schmetterlinge an der Birke. Der Weidenbohrer (Cossus cossus) legt seine Eier in Rindenspalten absterbender Bäume. Die bis zu 10 cm lang werdenden, roten Raupen kriechen zunächst in den Bast und dringen später tief ins Holz vor. Noch schädlicher ist das Blausieb (Zeuzera pyrina), dessen Raupen zwei Mal im Baum überwintern und sich zuerst in Zweigen entwickeln und später in dickere Baumteile vordringen.

Das Holz der Birken und seine Verwendung

Nach Dipl.-Betriebswirt (FH) Ulf Lohmann (Geschäftsf. d. Lehrinst. d. Holzwirtsch. e.V., Rosenheim) interessiert die Holzleute an einem Baum verständlicherweise zunächst seine Dimensionen. Die Birke erreicht unter guten Bedingungen eine Höhe von 20 bis 30 Meter mit etwa 60 bis 80 Jahren. Sie hat dann 50 bis 80 cm, in seltenen Ausnahmefällen sogar bis 1,3 m Durchmesser. Der gerade, schlanke, meist zylindrische und häufig astfreie Schaft hat dabei etwa 12 bis 15 m Länge.

Das Holz der Birke ist gelblichweiß über rötlichweiß bis hellbraun und weist einen leichten Seidenglanz auf. Typisch sind auch, verursacht durch Unregelmäßigkeiten des Faserverlaufes, fleckenartige Hell-Dunkel-Effekte. Als Splintholzbaum (Baum mit verzögerter Kernholzbildung) bildet sie in seltenen Fällen im Alter einen gelblich-rötlichen bis dunkelbraunen, fakultativen Kern aus.

 

Birke

Weide

Fichte

Buche

Rohdichte (lufttrocken) g/cm3

0,51 - 0,65 - 0,83

0,35 - 0,45 - 0,56

0,47

0,70

Schwindmaß in %

 

 

 

 

Längs l

0,6

0,5

0,3

0,3

Radial r

5,3

3,9

3,6

5,8

Tangential t

7,8

6,8

7,8

11,8

Volumen V

13,7

11,2

12,0

14,0 -17,9 - 21,0

Festigkeit, mechanische und technologische Eigenschaften

 

 

 

 

Elastizitätsmodul in N/mm2

16.500

7.200

10.500

15.000

Druckfestigkeit in N/mm2

43 - 51

28 - 34

43 - 50

53 - 62

Zugfestigkeit in N/mm2

137

42 - 64

90

135

Biegefestigkeit in N/mm2

125 - 147

31 - 47

66 - 78

105 - 123

Binell-Härte

 

 

 

 

Längs in N/mm2

 

23 - 35

 

72

Quer in N/mm2

 

13 - 16

 

34

Die Jahrringe, die durch schmale, dichte Spätholzstreifen z.T. undeutlich abgegrenzt sind, führen im Tangentialschnitt zu einer zarten Fladerung. Die kaum erkennbaren, zerstreutporig angeordneten, abgeplatteten Gefäße und Holzstrahlen sind einzeln, paarig und in kurzen, radialen Gruppen zu 2 bis 4 angeordnet. Sie erscheinen auf nicht sauber geschnittenen Hirnschnitten als helle Punkte - wie mit Mehl bestäubt.

Im Radialschnitt sind die Holzstrahlen nur als unauffällige niedrige Spiegel erkennbar. Typisch für Birken ist ein häufiges Vorkommen von rötlichbraunen Markflecken, die sich im Querschnitt als kurze, tangentiale Felder, in den Längsschnitten als gelegentlich recht auffällige, längere Streifen zeigen.

Zwischen dem Holz der beiden heimischen Baum-Birken-Arten gibt es keine nennenswerten Unterschiede. Das Holz ist zäh, elastisch und hat gute mechanisch-technologische Eigenschaften, mit mittleren Bruchfestigkeiten, die zum Teil über denen der Eiche liegen. Sie hat auch ein mit der Buche vergleichbares E-Modul, das weit über dem der Fichte liegt. Auch wenn das Holz ist nicht besonders hart ist, sind die Birken kein Weichlaubholz. Das Holz der Birke schwindet nur mäßig, doch aufgrund des starken Arbeitens besitzt es nur ein mäßiges Stehvermögen.

Der Witterung ausgesetzt, besitzt das Holz nur eine geringe natürliche Dauerhaftigkeit und ist auch unter Wasser kaum haltbar. Deshalb muss das Birkenholz möglichst schnell d.h. noch im Winter, aufgearbeitet werden. Als Rundholz erfordert sie sorgfältigste Pflege. Um die Entwertung des Holzes zu verhindern wird ein fleckenweises Entfernen oder Ringeln der Rinde mit anschließender trockenen Lagerung auf Unterlagen im Schatten und dem Schutz der Querschnittsfläche empfohlen.

Der Einschnitt sollte unbedingt in Rinde erfolgen. Das Schnittholz muss vorsichtig und langsam getrocknet werden, um Verstockung, Reißen und Verwerfen zu verhindern. Es soll luftig mit möglichst dünnen Latten gestapelt und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden. Bei der technischen Trocknung müssen, zur Vermeidung von Verfärbungen, niedrige Luftfeuchtigkeiten und Temperaturen (60-70°C) eingehalten werden.

Das Birkenholzes läßt sich sowohl  maschinell als auch manuell mit allen Werkzeugen leicht bearbeiten. Beim Schälen, Messern, Profilieren, Drechseln und Schnitzen erhält man glatte Oberflächen. Das Holz läßt sich auch leicht biegen, dagegen aber nur schwer spalten. Die Oberflächen lassen sich hervorragend beizen, lackieren und polieren. Bei der Behandlung mit Polyesterlacken kann es zur Verzögerung der Trocknung kommen. Auch wenn es beim Kontakt des Birkenholzes mit Metallen gelegentlich zu Verfärbungen kommen kann, ist das Haltevermögen von Nagel- und Schrauben gut. Leimverbindungen halten hingegen nicht befriedigend. Auch die Zementabbindung wird durch chemische Reaktionen des Birkenholzes stark gestört, weshalb Birkensperrholzplatten als Betonschalung stets mit einem undurchlässigen Film beschichtet sind.

Das Birkenholz, das als Rund- und Schnittholz, als Messer- und als Schälfurnier sowie als Sperrholz im Handel ist, spielt in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Im Möbelbau gewinnt sie in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung, ebenso wie im dekorativen Innenausbau. Eine Domäne für die Birke sind im Norden alle Arten von Sitzmöbeln, vom einfachen Massivholzstuhl bis zum Designersessel. Auch als dekoratives Furnier findet Birke wieder Verwendung, wobei hier gemesserte oder exzentrisch geschälte Furniere gesucht sind. Birke eignet sich auch sehr gut für die Imitation von Kirschbaum, Nuß und Mahagoni.

Reisigbesenbinder

Einer der letzten seiner Zunft: Ein (Birken-) Reisigbesenbinder

Früher wurde die Birke noch vielseitiger verwendet. Es war ein beliebtes Wagnerholz aus dem Leiterbäume, Felgen und Speichen und Dreschklöppel gefertigt wurden. Ferner wurden Ski, Schlittenkufen, Holzschuhe, Küchenartikel, Wäscheklammern, Spielwaren, Zündhölzer, Schuhabsätze und Spunde daraus gefertigt. Im Musikinstrumentenbau wurde das Holz für Hammerstiele im Klavier- und Cembalobau sowie für Blasinstrumente benötigt. In der Bürsten- und Pinselindustrie fand es ebenso seinen Absatz wie als Schuhmacher-Holznägel oder als Leichtfaß- bzw. Lebensmittelbehälter wegen dessen Geruchlosigkeit bzw. -neutralität. Nähfaden-Spulen sind fast ausnahmslos aus Birke gefertigt, da hier, als einzige Holzart, die am Spulenrand eingeschnittene Kerbe nicht abspringt. Sogar Faßspunde und Zapfhähne wurden aus Birke gemacht, weil sie durch die starke Quellung besonders dicht waren. Als Containerböden, als Material für den Lkw- und Waggonbau sowie vorzugsweise auch im Stall- und Modellflugzeugbau findet die Birke Anwendung.

Birken als Rohstoff für die Pharmazie

Nach Dr. Norbert Lagoni (Robugen GmbH, Esslingen) ist die Heilkraft der Birke seit langem bekannt. Bereits in der in der Natur- und Volksheilkunde der Antike wurden in Griechenland, wie Plinius ca. 350 v. Chr. erwähnt, die harzigen, bernsteinfarbene Tröpfchen oder  "Tränen" (Birkensaft) zur Blutreinigung, bei Gicht und Wassersucht angewandt. Der Birkensaft wurde bei Fieber und Magenleiden aber auch als Schönheits- und Stärketrank getrunken und das Birkenlaubwasser galt als Heilmittel von Hauterkrankungen und Schnittwunden. Auch Hildegard von Bingen (Äbtissin 1098-1148) setzte die Birke bei Wassersucht, Harnbeschwerden und als Wundverschlußmittel ein. In der mittelalterlichen Signaturenlehre, bei der von der Eigenschaft der Pflanze auf ihre heilende Wirkung geschlossen wurde "Ubi morbus ibi remedium", wurde von der starken Saftung auf den Flüssigkeitsentzug aus dem Körper geschlossen.

In der Sympathieheilmedizin galt die Birke als heilender Baum. Hier sollte die Krankheit auf Bäume übertragen werden, indem man zu bestimmten Zeiten um den Baum gelaufen ist und sein Leiden beklagt.

Auch heute werden verschiedene Pflanzenteile der Birke als Heilmittel verwendet. Die Blätter, die Rinde sowie der Birkensaft, den man durch Anritzen der Bäume im Frühjahr erhält. Daraus werden Tees, Säfte; Lösungen, Tinkturen, Salben, Heilbäder, Öle und Haarwasser hergestellt. In der Homöopathie werden daraus Lösungen hergestellt.

Die Birke ist reich an Inhaltsstoffen. So wurden Flavonide, Flavone, Caponine, Glucoside, Phenolcarbonsäure, Mineralsalze, ätherische Öle, Ascorbinsäure und Inosit. nachgewiesen. In der Pharmakologie ist ihre diurethische, aquarethische, salurethische, krampflösende und antibakterielle Wirkung bekannt und werden daher therapeutisch in der Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der Harnorgane und bei Nierengries eingesetzt. Äußerlich angewendet helfen die Inhaltsstoffe der Birkenblätter und des -saftes bei Ekzemen, Hautwunden, Schuppen und Haarausfall. Birkenreiser werden darüber hinaus zur Durchblutungsförderung in der Sauna angewendet, indem man sich mit den Reisern schlägt.

Weiterhin wird der Birkenrindenteer für Kosmetika benötigt, als auch in der Tierheilkunde zur Behandlung von Wunden und Huf- und Klauenerkrankungen verwendet. In Notzeiten wurden das gelbe Kambium unter der Birkenrinde als Gemüse gekocht, um so dem Skorbut vorzubeugen.

Aus dem in der Rinde eingelagerten Birkenteer gewinnt man Birkenöl, das als Juchtenöl Leder geschmeidig, wasserdicht und haltbar macht. Der Birkenteer wurde früher auch zum Abdichten von Booten und Holzgefäßen, zum Verkitten von Pfeilspitzen oder beim Vieh als Wundsalbe verwendet.

Birke - Kind des Lichts

Nach Doris Laudert (Autorin des Buchs Mythos Baum, BLV 1999) ist die Birke ein Kind des Lichts, heiter, unaufdringlich und dennoch voll unbändiger Lebenskraft. So zart und anmutig Birken auch wirken, man sollte sie nicht unterschätzen. Als Baum des Nordens und winterhärtester Laubbaum überhaupt hält sie der winterlichen Kälte der Tundra stand, wenn auch eher strauchförmig.

Junge Birken sind schlank und aufrecht. In Gedichten werden sie häufig mit jungen Mädchen verglichen. Das typische Merkmal des alternden Baumes sind seine überhängenden Zweige (Hängebirke), er erscheint melancholisch und trauernd. Die scheinbar spielerische Weise des Baumes, mit dem Leben umzugehen, ist im Alter dahin. Betagte Birken wirken verlebt, im Gegensatz zu alternden Eichen beispielsweise, deren majestätische Persönlichkeit sich erst mit den Jahrhunderten entwickelt.

Viele Völker fühlen sich der Birke verbunden. Was dem Griechen der Ölbaum oder dem Deutschen die Linde (bzw. Eiche), ist dem Russen die Birke. In so gut wie allen nördlichen Ländern spielt die Birke eine überragende Rolle. So ehren auch die Finnen, Litauen, Polen und vor allem die Esten den Baum als nationales Pflanzensymbol.

Nach alter Tradition ist der Maibaum, ein Birkenbäumchen als Sinnbild des Frühlingserwachens. Meist war es eine junge Birke, welche man sich aus dem Wald holte, schälte (damit sich die Hexen nicht unter der Rinde festsetzen konnten) und aufastete, wobei der oberste Wipfel als wahrer Träger der Segenskraft stehenbleiben mußte. Auch die Wiege des Neugeborenen baute man deshalb aus Birkenholz.

Der wissenschaftliche Name der Birke, Betula soll vom lateinischen "batuare" abgeleitet sein. Batuare heißt schlagen. Der Name bezieht sich auf den alten, magischen Brauch des Schlages mit der Lebensrute, nicht auf die Züchtigung der Kinder. Frischgrüne Birkenzweige band man zur "Lebensrute" zusammen.

Vielseitig sind die Verwendungsmöglichkeiten der Birke. In Deutschland sehr beliebt bei Burschenschaftlern waren die sogenannten Birkenmaier. Bierkrüge aus Birkenstämmchen, denen die Rinde nicht abgehobelt wurde.

Ferner werden der Birke im Schamanismus große Bedeutung beigemessen. In ganz Nordamerika und Nordasien ist die Birke eng mit der Kulturgeschichte der einzelnen Völker verwoben. Verschiedene mongolische Stämme verehren die Birke sogar als Weltenbaum.

Die Birke, das ergab die Tagung, ist eine Baumart, die nicht nur waldbaulich und betriebswirtschaftlich interessant, sondern auch für Naturschutz und Landschaftspflege wertvoll ist. Ihre Ressourcen gilt es zu nutzen.

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